6. April 2025

ddbnews.org

Neuigkeiten / Berichte / Informationen

90 Prozent der Bevölkerung bezahlen digital – warum Schweden plötzlich mehr Bargeld empfiehlt

 

Die schwedische Zentralbank fordert die Bürger auf, wieder mehr Bargeld zu verwenden. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Dabei ist das Land gemeinsam mit Norwegen Weltspitze bei bargeldlosen Bezahlen.

Die Empfehlung folgt auf die steigenden Sorgen über Cyberangriffe infolge des Ukraine-Kriegs.

Experten in Schweden raten sogar, eine Bargeldreserve für wöchentliche Einkäufe zu halten und zwei Kreditkarten zu nutzen, um sich abzusichern.

Schweden ist seit Jahren ein Vorbild, wenn es um digitales Bezahlen geht. Das soll sich nun offenbar ändern. Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) berichtet, hat die schwedische Zentralbank die Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen, wieder mehr Bargeld zu benutzen. Und das, obwohl Schweden mit Norwegen zu den Ländern gehört, in denen am wenigsten Bargeld genutzt wird.

Das überwiegend genutzte digitale Bezahlen geht demnach auf eine Kampagne nach einem spektakulären Raubüberfall im Jahr 2009 zurück. Damals hätten Millionen von einem Geldtransportunternehmen gestohlen. Danach seien Lobbyverbände aktiv geworden und hätten sich gegen Bargeld ausgesprochen.

 

Angst vor Cyberangriffen durch Russland

Neben dem historischen Geldraub spielt die Vermeidung von Geldwäsche auch eine zentrale Rolle, warum Bargeld so verpönt in Schweden ist. Zwei von drei schwedischen Bargeld-Kronen seien Schwarzgeld, argumentierte etwa der Anti-Bargeld-Verband „Kontantfritt nu“ (deutsch: Bargeldlos jetzt).

Diese Entwicklungen trugen wohl alle zu einer deutlichen Entwicklung bei: Laut einer Umfrage der Riksbank zahlten im Jahr 2023 90 Prozent aller Schweden mit Karte. Neben Kartenzahlung ist der Dienst Swish besonders beliebt. Er ist vergleichbar mit Paypal. Neben der Bezahlung in Geschäften oder bei Online-Händlern wird auch Geld an Freunde und Familie verschickt. In schwedischen Großstädten gibt es mitunter auch Obdachlose, die Schilder mit ihrer Handynummer bereithalten, damit ihnen Passanten Geld via Swish schicken können – statt Kleingeld.

Der Grund, warum die Zentralbank nun wieder zu mehr Bargeld rate, sei der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, schreibt die „FAZ“. Denn dadurch sei die Sorge vor Cyberangriffen durch Russland gestiegen. Katastrophenschützer empfehlen dem Bericht zufolge daher, eine Reserve an Bargeld zuhause zu haben.

Die Summe solle in etwa die Höhe der Einkäufe in einer Woche haben, heiß es. Zudem solle man zwei Kreditkarten nutzen, um nicht von einem Anbieter abhängig zu sein. Der Präsident der schwedischen Zentralbank, Erik Thedéen, habe Händler aufgefordert, es ihren Kundinnen und Kunden wieder einfacher zu machen, mit Bargeld zu zahlen. Eine Untersuchung sei außerdem zu dem Schluss gekommen, dass öffentliche und private Akteure zur Annahme von Bargeld verpflichtet werden sollten.

In einer Broschüre, die das Verteidigungsministerium an Haushalte verschickt habe, werde bereits empfohlen, wieder mehr Bargeld einzusetzen. Als Grund werde ein möglicher kommender Krieg angegeben.

 

https://www.businessinsider.de/politik/schwedische-zentralbank-raet-menschen-zu-mehr-barzahlung-und-barreserven/