“Arbeiten die auch mal?” Das fragt man sich als ausgepresster Steuerzahler nicht nur im Hinblick auf Politiker, sondern ganz besonders auch auf den aus allen Nähten platzenden Beamtenapparat. In den USA wollten Elon Musk und sein Department of Government Efficiency (DOGE) konkrete Antworten: In einer E-Mail wurden Bundesbeamte aufgefordert, fünf Dinge zu nennen, die sie in der vergangenen Woche geschafft haben. Die Empfänger reagierten empört: Offenbar tat man sich schwer damit, diese Liste zu füllen.
Am 22. Februar kündigte Elon Musk auf X an, dass Bundesbeamte in Kürze eine E-Mail erhalten werden, in der erfragt wird, was sie in der vergangenen Woche erledigt hätten. Nicht zu antworten, käme einer Kündigung gleich, so Musk.
Tatsächlich wurde daraufhin eine E-Mail des Office of Personnel Management (OPM) mit dem Betreff „Was haben Sie letzte Woche gemacht?“ an alle Bundesbehörden verschickt. Darin wurden die Mitarbeiter aufgefordert, „auf diese E-Mail mit ungefähr fünf Aufzählungspunkten zu antworten, was Sie diese Woche erreicht haben”. Der Vorgesetzte sollte ins CC gesetzt werden. Vertrauliche Informationen oder Anhänge sollten nicht versendet werden: Gefordert war lediglich die Angabe von fünf erledigten Aufgaben. Die Frist endete am Montagabend.
Nun wären die allermeisten Berufstätigen wohl in der Lage, binnen weniger Sekunden fünf Dinge zu nennen, die sie innerhalb einer Woche auf der Arbeit gemacht haben und die ihr Gehalt rechtfertigen – andernfalls könnten sie kaum ihren Job halten. Geld gibt es für erbrachte Leistungen, darauf basiert die gesamte Wirtschaft. In der Politik und in staatlichen Behörden sieht die Sache aber durchaus anders aus. Entsprechend führte die E-Mail zu einem massiven Aufschrei – einem Aufschrei, den man wohl als erhobenen Mittelfinger in Richtung der Steuerzahler verstehen muss, denn die müssen die fett gefressenen Behördenapparate schließlich finanzieren.
Die American Federation of Government Employees, eine Gewerkschaft, die Bundesangestellte vertritt, bezeichnet die E-Mail prompt als „grausam und respektlos“. “Grausam und respektlos” ist sicherlich das Auspressen der Bevölkerung, ohne dafür die geforderten Gegenleistungen zu erbringen. Davon können nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Deutschen und Österreicher ein Lied singen. Dass Donald Trump gegen Steuergeldverschwendung und Misswirtschaft vorgeht, ist einer der Gründe, warum er ins Amt gewählt wurde (und warum auch die AfD und FPÖ immer mehr Rückhalt in der Bevölkerung bekommen, denn diese Parteien haben ähnliche Pläne).
„Einmal mehr haben Elon Musk und die Trump-Administration ihre völlige Verachtung für Bundesangestellte und die wichtigen Dienste gezeigt, die sie dem amerikanischen Volk erbringen“, jammerte Gewerkschaftspräsident Everett Kelley. Wie sehen diese wichtigen Dienste denn aus? Die Antwort auf diese Frage will man offensichtlich nicht geben. Nicht einmal eine winzige Liste erbrachter Leistungen will (oder kann?) man aufstellen.
„Um es klar zu sagen, die Messlatte liegt hier sehr niedrig”, betonte Musk. “Eine E-Mail mit einigen Stichpunkten, die irgendeinen Sinn ergeben, ist akzeptabel! Das Schreiben sollte weniger als 5 Minuten dauern.“ Die Beamten, die ihre Arbeit ernst nehmen und gewissenhaft ihre Aufgaben erledigen, dürften hier kein Problem gesehen und die Mail flott beantwortet haben. Die anderen sollten sich fragen, wofür sie ihren “Lohn” kassieren.
Obendrein verwies Elon Musk auf möglichen Betrug: “Der Grund, warum das wichtig ist, ist, dass eine beträchtliche Anzahl von Menschen, die eigentlich für die Regierung arbeiten sollten, so wenig Arbeit verrichten, dass sie ihre E-Mails überhaupt nicht abrufen! In einigen Fällen glauben wir, dass nicht existierende Personen oder die Identitäten von Toten verwendet werden, um Gehaltsschecks einzutreiben. Mit anderen Worten: Es handelt sich um regelrechten Betrug.”
Der Skandal liegt sicherlich nicht in dieser Mail. Der Skandal ist eher, dass Beamte offensichtlich meinen, über dem einfachen Bürger zu stehen, der sich zwar für jeden erwirtschafteten Dollar oder Euro rechtfertigen muss, dem gegenüber aber komischerweise niemand Rechenschaft darüber ablegen muss, was mit seinem Steuergeld passiert.
Ein zehntausendfach gelikter Kommentar zu Musks Tweet vom 22. Februar verwies übrigens auf eine Schlagzeile über einen Fall aus Deutschland: In einer E-Mail anlässlich seines Ruhestandes gab ein Beamter an, 14 Jahre lang bei stolzem Gehalt und allen Vorzügen des Beamtenstatus eine überaus ruhige Kugel geschoben und praktisch “nichts” getan zu haben. Nicht umsonst sagt man in Deutschland, dass der Unterschied zwischen Beamten und Holz darin besteht, dass Holz arbeitet.
Was tun Sie eigentlich so für Ihr Geld? Diese simple Frage wollen Beamte nicht beantworten