28. Februar 2025

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Bezos’ Kurswechsel: Washington Post im Umbruch – Meinungsredakteur tritt zurück

 

Jeff Bezos hat eine radikale Neuausrichtung der Washington Post angekündigt. Der Amazon-Gründer und Eigentümer der Zeitung verkündete am Mittwoch, dass die Meinungsseiten künftig täglich “zur Unterstützung und Verteidigung zweier Säulen: persönliche Freiheiten und freie Märkte” schreiben werden. Diese Ankündigung löste unmittelbar heftige Reaktionen aus – allen voran den Rücktritt des Meinungsredakteurs David Shipley.

Die Situation erinnert an den Aufruhr, der entstand, als die Washington Post sich weigerte, Kamala Harris im Endspurt des Präsidentschaftswahlkampfs 2024 zu unterstützen – nur dass die aktuelle Kontroverse um ein Vielfaches intensiver ausfällt. Bezos begründete seinen Entschluss in einer Stellungnahme auf der Plattform X mit einem grundlegenden Wandel im Medienkonsumverhalten: “Es gab eine Zeit, in der eine Zeitung, besonders wenn sie ein lokales Monopol hatte, es als Dienst betrachten konnte, dem Leser jeden Morgen eine breit gefächerte Meinungssektion zu liefern, die alle Ansichten abdecken sollte. Heute übernimmt das Internet diese Aufgabe.”

https://twitter.com/JeffBezos/status/1894757287052362088

Der Milliardär betonte seine patriotische Haltung: “Ich bin Teil Amerikas und für Amerika, und ich bin stolz darauf. Unser Land ist nicht durch Mittelmäßigkeit hierher gelangt. Ein großer Teil des amerikanischen Erfolgs basiert auf Freiheit im wirtschaftlichen Bereich und überall sonst. Freiheit ist ethisch – sie minimiert Zwang – und praktisch – sie fördert Kreativität, Erfindungsreichtum und Wohlstand.”

David Shipley, der erst vor relativ kurzer Zeit die Position des Meinungsredakteurs übernommen hatte, zog es vor, das Handtuch zu werfen, anstatt sich der neuen redaktionellen Linie anzupassen. Shipley, der zuvor bei der als progressiv geltenden Zeitschrift “The New Republic” sowie bei Bloombergs Meinungsressort tätig war, scheint mit der libertär-konservativen Neuausrichtung nicht vereinbar zu sein.

https://twitter.com/JStein_WaPo/status/1894760153813275124

Die Reaktionen innerhalb der Redaktion fielen erwartungsgemäß heftig aus. Jeff Stein, Wirtschaftskorrespondent der Post, bezeichnete Bezos’ Eingriff als “massiven Übergriff”, der “klarstellt, dass abweichende Meinungen hier nicht veröffentlicht oder toleriert werden.” Eine bemerkenswerte Aussage, wenn man bedenkt, dass gerade die Öffnung für ein breiteres Meinungsspektrum der Kern von Bezos’ Ankündigung zu sein scheint.

https://twitter.com/PetreSolheim/status/1894778253904371796

Die Frage, die sich viele Beobachter stellen: Ist dies ein aufrichtiger Versuch, die Meinungsvielfalt zu erweitern, oder handelt es sich um eine ideologische Kehrtwende unter dem Deckmantel der Ausgewogenheit? Kritiker verweisen auf die engen Verbindungen der Washington Post zu Regierungskreisen – nicht umsonst wird die Zeitung manchmal als “Lieblingsorgan der CIA” bezeichnet.

Der Zeitpunkt dieser Neuausrichtung ist bemerkenswert. Nach Jahren, in denen progressive Stimmen in vielen etablierten Medien dominierten, scheint Bezos einen Kontrapunkt setzen zu wollen. Dies geschieht in einer Phase, in der die politische Landschaft Amerikas ohnehin in Bewegung ist und traditionelle Allianzen neu definiert werden.

https://twitter.com/Hadas_Gold/status/1894767069276643793

Für die Washington Post, die seit ihrer Gründung 1877 eine bedeutende Rolle in der amerikanischen Medienlandschaft spielt, markiert dieser Schritt möglicherweise die größte redaktionelle Umwälzung seit Jahrzehnten. Die Zeitung, die durch ihre Berichterstattung über den Watergate-Skandal Weltruhm erlangte, steht nun selbst im Zentrum einer Kontroverse über journalistische Unabhängigkeit und Eigentümereinfluss.

Die Reaktionen aus dem linken Lager lassen nicht auf sich warten. In sozialen Medien wird Bezos vorgeworfen, die Integrität einer traditionsreichen Institution zu untergraben. Befürworter hingegen sehen darin eine überfällige Korrektur in einer Medienlandschaft, die ihrer Meinung nach zu einseitig geworden ist.

Ob Bezos’ Vision einer Washington Post, die persönliche Freiheiten und freie Märkte in den Mittelpunkt stellt, tatsächlich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Die dramatischen Reaktionen innerhalb der Redaktion deuten jedoch darauf hin, dass der Weg dorthin steinig sein wird. Der Rücktritt Shipleys ist möglicherweise nur der erste in einer Reihe von personellen Veränderungen, die folgen könnten.

 

Bezos’ Kurswechsel: Washington Post im Umbruch – Meinungsredakteur tritt zurück