31. März 2025

ddbnews.org

Neuigkeiten / Berichte / Informationen

Die Stadt als grüne Hölle

 

Städte, obwohl nicht dafür erfunden, müssen ökologisch aufgerüstet werden. Die Leidtragenden: Alle die, die ohne Fahrrad oder zu Fuß von einem Ort zum anderen müssen, aber nicht können.

Gerade haben „die Pariserinnen und Pariser“, wie auch in deutschen Medien nachzulesen, für einen Masterplan gestimmt, wonach Autos aus weiteren 500 Straßen der französischen Metropole ausgesperrt werden sollen. Noch einmal bis zu 10.000 Parkplätze sollen wegfallen in einer Stadt, die infolge der rigiden Politik der sozialistischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo endgültig zum Albtraum für Autofahrer geworden ist.

Die verkappte Grüne machte Schnellstraßen zu Fahrradpisten und Fußgängerzonen, verordnete Schneckentempo in der Innenstadt, hob die Parkgebühren drastisch an, vor allem für teure SUVs – eine Portion Klassenkampf und Reichenhass kommt bei Salonlinken immer gut an.

Dass an der betreffenden „Bürgerbefragung“ nur vier Prozent der rund 1,4 Millionen Abstimmungsberechtigten teilgenommen hatten, ficht Hidalgo nicht an bei ihrem Kampf gegen Lärm, Luftverschmutzung und die Auswirkungen der „Klimakrise“. Auch Proteste von Gewerbetreibenden und alt eingesessenen Bürgern lassen sie kalt. Sie handele nur im Auftrag von Touristen und ihrer wichtigsten Wählerklientel, der grün angehauchten Bourgeoisie, sagen ihre konservativen Kritiker.

 

Der Moloch Stadt

Wer zu jung oder zu alt ist, um größere Strecken mit dem Fahrrad oder per pedes zu bewältigen (den Verleih von E-Scooter in Paris hat Hidalgo verboten), wer den öffentlichen Nahverkehr als zu gefährlich meidet, wer sich keinen teuren Parkplatz leisten kann oder regelmäßig größere Lasten transportieren muss, wer am Wochenende mit dem Auto aufs Land fahren möchte, um das ererbte Häuschen der Eltern zu pflegen, schaut womöglich in die Röhre. Alle sollen es halten wie Jacques Tati in „Mon Oncle“ mit seinen slapstickhaften Fahrradtouren in der Großstadt. Das war im noch ziemlich beschaulichen Jahr 1958.

Nicht nur in Paris, auch in Lyon, der drittgrößten Stadt Frankreichs, breitet sich die Ideologie der „grünen Stadt“ ungehindert aus, was die Kommune am Zusammenfluss von Rhône und Saône in ein Dauer-Verkehrschaos gestürzt hat. Und natürlich in Deutschland, Mutterland des Ökologismus, wo sozialistische und grüne Stadtregierungen in München, Hamburg, Berlin, Frankfurt am Main, Köln alles daransetzen, um Autofahrern das Leben schwer zu machen und Innenstädte in botanische Gärten umzukrempeln. Neben der AfD sind sie zum zentralen Feindbild der Sozialklempner geworden.

Doch eine Stadt ist eine Stadt, kein Naturpark. Oft grau, vermüllt, lärmend, stinkend, übervölkert. Wo viele Menschen unterschiedlichster sozialer Milieus und Kulturen auf engstem Raum zusammenleben, bleibt das nicht aus, wobei deutsche Großstädte im Vergleich etwa zu den Megastädten in China Luftkurorte sind. Doch der Moloch Stadt kann eine ungeheure Anziehungskraft ausüben. Hier kann man, anders als auf dem Dorf oder in der Kleinstadt mit ihrer oft einengenden Sozialkontrolle, in der Masse untertauchen und die eigene Individualität leben. Dafür sind viele Leute bereit, die Nachteile des Großstadtlebens in Kauf zu nehmen.

 

„Heraus aus grauer Städte Mauern“ war einmal

Gegenwelt der Stadt war lange Zeit „das Land“, im Bürokratendeutsch „Außenbereich“, das vermeintlich idyllische Kontrastprogramm zu den auf Effizienz und Ertrag ausgerichteten Verwertungszusammenhängen urbanen Lebens. Doch das Modell „Vorne Friedrichstraße, hinten Ostsee“ ist ins Wanken geraten, seit die Provinz immer mehr verstädtert, die industrielle Landwirtschaft auch den letzten Winkel nutzbar macht und neuerdings selbst Wälder zur massenhaften Bereitstellung „erneuerbarer Energien“ herangezogen werden. Außerdem gilt das Land als „rechts“, als Hochburg der AfD, ein guter Grund für mehrheitlich dem linksgrünen Spektrum zuneigende Städter, zu Hause unter sich zu bleiben.

Heraus aus grauer Städte Mauern“ war einmal. Seit das Land als Sehnsuchtsdestination und Fluchtpunkt mehr und mehr ausgedient hat, muss die Stadt ökologisch aufgerüstet werden, anknüpfend an manche Ideen der Gartenstadtbewegung der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, als schon einmal versucht worden war, das Land, respektive die Natur in die Stadt zu holen. Damals begleitet vom sozialreformerischen Motiv genossenschaftlichen Bodenbesitzes, um Spekulation zu vermeiden. Heute ist an die Stelle dieses Motivs der Klimawandel getreten.

Nun sollen Bäume auf einstigen Parkplätzen die Bürger vor einem sommerlichen Hitzschlag bewahren, innerstädtische Wildblumenwiesen das Bienensterben aufhalten soll „Urban Gardening“ nicht nur für, man staune, gesunde Lebensmittel sorgen, sondern vom Landleben entfremdeten Städtern den verloren gegangenen Konnex zur Urproduktion zurückgeben, angesichts der Überschaubarkeit innerstädtischer Agrarproduktion ein absolut sinnloses Unterfangen. In mit Blumenkübeln und Sitzbänken vollgestellten „Begegnungszonen“ sind Autos vielleicht gerade noch geduldet. Und Frauen mit „grünem Daumen“ verteidigen vehement die von ihnen liebevoll bepflanzte Baumscheibe gegen Falschparker und Hundebesitzer, die verzweifelt auf der Suche nach einem Plätzchen sind, wo ihr Vierbeiner seine Notdurft verrichten kann. Im Gegenzug werden die Reste einstiger Gartenstädte gnadenlos „nachverdichtet“.

 

Ein Grüner, der ausnahmsweise einmal recht hat

Sicher spricht nichts dagegen, manche Auswüchse der „autogerechten Stadt“ aus den sechziger und siebziger Jahren zu korrigieren, aber man muss ja nicht gleich ins andere Extrem verfallen. Denn eine Aufwertung im Zeichen von Ökologie und Klimaschutz führt unweigerlich zur Abwanderung der letzten Reste von Handel und Gewerbe in die Speckgürtel der Großstädte. Von dort müssen oft unterbezahlte Migranten alles Lebensnotwendige wieder in die City schaffen, meist immerhin „klimafreundlich“ mit dem elektrisch betriebenen Transporter oder Cargo-Rad.

Außerdem steigen die Mieten in den vom Autoverkehr „befreiten“ Zonen, was zu einer weiteren sozialen Segregation führt. Am Ende reiht sich ein veganes Restaurant, eine Biosauerteigbäckerei und ein Fahrradgeschäft ans andere, bevölkert von Touristen, die das Legoland Europa bestaunen, und erwerbsfähigen Müttern und Vätern in Elternzeit, die sich bukolischer Kontemplation hingeben, fernab der Problemgebiete, in denen sich Migranten und sozial Schwache verlustieren.

Oft haben Denkmalschützer ihre liebe Not, die Invasion grüner Heimeligkeit selbst dort aufzuhalten, wo es nie besonders viel Grün gegeben hat, etwa in klassizistischen Raumschöpfungen wie der Münchner Ludwigstraße. In Berlin wurde jüngst nach mehrjähriger Generalsanierung der Gendarmenmarkt wiedereröffnet, ein Paradebeispiel des preußischen Klassizismus. Fast ganz ohne Bäume, was Proteste hervorrief und Vergleiche mit Paris, das immer grüner werde, während man in Berlin eine „Stadtglatze“ geschaffen habe. „Der Gendarmenmarkt ist keine Grünanlage für die tägliche Naherholung“, wird dazu der grüne Umweltstadtrat von Berlin-Mitte, Christopher Schriner, zitiert. Dafür gebe es andere Orte in der Umgebung. Da hat ein Grüner ausnahmsweise einmal recht gehabt.

 

 

https://www.achgut.com/artikel/die_stadt_als_gruene_hoelle