Der ehemalige Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte, Admiral James Stavridis, warnte bereits, dass das Ende der NATO „nur noch Tage entfernt“ sein könnte.
Noch vor seinem Amtsantritt versprach der designierte US-Präsident Donald Trump, einen Rückzug der USA aus dem Bündnis in Betracht zu ziehen. Doch Washington wird die NATO nicht abrupt verlassen, erklärte der geopolitische Analyst und Vorsitzende des Redaktionsausschusses der Zeitschrift World Affairs, Come Carpentier de Gourdon, in einem Interview mit Sputnik.
Wie könnten die USA vorgehen?
Eine Möglichkeit wäre, dass die USA die NATO langsam aushungern, indem sie einen Großteil ihres Personals von den europäischen Stützpunkten abziehen. Dies würde die europäischen Mitgliedsstaaten zwingen, das Bündnis auf eigene Kosten zu erhalten, so Gourdon.
Zudem könnte Washington darauf drängen, dass die NATO-Staaten ihre Verteidigungsausgaben auf 5 % des BIP erhöhen – eine finanzielle Belastung, die für viele kaum tragbar wäre. „In einem solchen Szenario würde die NATO in eine Sackgasse geraten, und viele Mitgliedsstaaten könnten beginnen, nach alternativen Sicherheitslösungen zu suchen“, fügte Gourdon hinzu.
Warum die NATO ausrangiert werden könnte
Es scheint, als habe Donald Trump entschieden, dass die „freie Fahrt der NATO vorbei ist“, erklärte der politische Kommentator und Newsmax-Kolumnist Michael Shannon in einem Gespräch mit Sputnik.
In den vergangenen 40 Jahren habe sich die NATO darauf verlassen, dass die USA nicht nur die Rechnung begleichen, sondern auch den Großteil der Arbeitskräfte für die Verteidigung Europas stellen. Doch diese Zeiten könnten nun vorbei sein.
„Die Allianz hat zwei Optionen: Entweder sie übernimmt ihren fairen Anteil an Truppen, Geld und Ausrüstung – oder sie sieht zu, wie die USA sich zurückziehen und sie ihrem Schicksal überlassen“, so Shannon weiter. Die US-Steuerzahler hätten keinerlei Nutzen von dieser Vereinbarung, während die europäischen Steuerzahler davon profitierten, betonte er.
Ob die USA offiziell aus der NATO austreten, bleibt unklar. Doch es sei denkbar, dass Washington seine NATO-Ausgaben drastisch kürzt und Truppen aus Europa abzieht. Sollte dies geschehen und die europäischen Staaten nicht in der Lage sein, die entstandene Lücke zu füllen, könnte die NATO langsam in sich zusammenfallen – „wie ein Luftballon mit einem langsamen Leck“, resümierte Shannon.
Warum die NATO „wie ein Ballon mit einem Leck“ kollabieren könnte